Volkstrauertag 2025

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

verehrte Vertreter der Krieger- und Soldatenvereine, der Feuerwehr, des Gemeinderats und aller Vereine unserer Gemeinde,
sehr geehrter hochwürdiger Herr Pfarrer Peter Nußbaum, sehr geehrte Anwesende,

wir haben uns heute hier versammelt, um am Volkstrauertag den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. Dieser Tag ist ein Tag der Trauer – aber ebenso ein Tag der Mahnung. Er erinnert uns daran, dass Frieden niemals selbstverständlich ist und dass Freiheit, Demokratie und Menschenwürde täglich neu verteidigt werden müssen.

In diesem Jahr begehen wir den 70. Jahrestag der Gründung der Bundeswehr. 70 Jahre, in denen aus den bitteren Lehren des Zweiten Weltkriegs eine Armee entstanden ist, die fest in Demokratie und Rechtsstaat verankert ist – eine Parlamentsarmee, dem Frieden verpflichtet und doch fähig zur Verteidigung.

Seit fast vier Jahren tobt der Krieg in der Ukraine. Er hat uns auf schmerzhafte Weise vor Augen geführt, dass Abschreckung kein Relikt des Kalten Krieges ist, sondern ein elementarer Bestandteil des Friedens. Frieden braucht nicht nur guten Willen, er braucht Glaubwürdigkeit.

Viele von Ihnen kennen den Satz:

„Der Krieger wird so lang geschmäht und abgelehnt, bis der Feind vor der Tür steht.“

So zugespitzt er klingt, so sehr beschreibt er die Realität der letzten Jahre. Lange glaubten wir in Europa, militärische Stärke sei überholt. Doch wir mussten lernen, dass Frieden nur dort Bestand hat, wo Freiheit geschützt werden kann – und wo eine Gesellschaft bereit ist, diesen Schutz zu leisten.

Daher ist es kein Zufall, dass Deutschland in diesen Monaten intensiv darüber diskutiert, ob die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht wieder eingeführt oder durch eine allgemeine Dienstpflicht ersetzt werden sollte. Diese Debatte ist keine nostalgische Rückschau, sondern eine Antwort auf eine Welt, die unsicherer geworden ist. Die dauerhafte Stationierung deutscher Soldaten in Litauen, die Verstärkung der NATO-Ostflanke und die zunehmende Bedrohung durch hybride Angriffe zeigen uns: Sicherheit ist kein Zustand, sondern eine Aufgabe.

Abschreckung ist kein Ausdruck von Aggression, sondern von Verantwortung. Sie soll verhindern, dass Konflikte entstehen. Sie soll im Ernstfall verhindern, dass ein Gegner überhaupt glaubt, Gewalt könne sich lohnen. So war es im Kalten Krieg – und so ist es heute wieder. Der Preis des Friedens besteht darin, vorbereitet zu sein.

Liebe Anwesende,

Frieden beginnt dennoch im Kleinen: im Zusammenhalt unserer Gemeinde, in den Familien, Vereinen und Kirchen. Aber er endet nicht dort. Die Agenda 2030 und ihr Ziel 16 – Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen – machen deutlich: Friedenspolitik ist nicht nur Diplomatie. Sie ist die Fähigkeit, Werte zu schützen, Freiheitsrechte zu verteidigen und staatliche Institutionen stark zu halten.

Wir ehren heute die Opfer von Krieg, Terror und Gewalt – in Europa, im Nahen Osten, in Afrika und überall auf der Welt. Ihr Tod mahnt uns: Frieden braucht Mut, Haltung und Bereitschaft.

Möge dieser Volkstrauertag uns alle dazu ermutigen, nicht müde zu werden im Einsatz für Menschlichkeit, Verantwortung und Frieden. Für unser Land, für Europa und für die Welt, in der unsere Kinder leben werden.

Arth, 16.11.2025