Volkstrauertag 2022

vor 80 Jahren am 1. Januar 1943 schreibt Gerhard Küpper einen Brief an seine Tochter Irmgard.

Meine liebe kleine Irmi, wenn Dein Vati Dir einen extra Brief schreibt, dann muß es schon eine wichtige Bedeutung haben und die hat es. Heute bist Du noch klein, vermagst den Brief noch gar nicht zu lesen. Deine Mutter soll ihn Dir später mal vorlesen, ihn Dir geben, wenn Du groß und reif bist.“

So beginnt er, der Brief des Papas an seine damals dreijährige Tochter. Es war ein Geburtstagsbrief und zugleich das letzte Lebenszeichen, das die heute 82-jährige Irmgard Herzog von ihrem Vater hat. Zeit ihres Lebens trug sie den Brief in ihrem Herzen und in ihren Gedanken. Die letzte Erinnerung an den Vater, den sie nie wirklich kennengelernt hat.
Irmgard Herzog ist eine von Hunderttausenden in Deutschland, deren Vater im Zweiten Weltkrieg gefallen ist. Der Feldpostbrief, datiert vom 1. Januar 1943, ist ein bewegendes Dokument aus einer furchtbaren Zeit. Gerhard Küpper, der Vater von Irmgard Herzog, hatte damals nur noch wenige Tage zu leben. Er gehörte zu den Soldaten, die in Stalingrad eingekesselt waren. Gerhard Küppers Zeilen deuten darauf hin, dass er keine Hoffnung mehr hatte. Es war ein Abschiedsbrief.

2,5 Mio. Soldaten standen sich damals vor genau 80 Jahren an der Wolga gegenüber. Am Ende verloren 700.000 deutsche, russische, rumänische, italienische, ungarische und kroatische Soldaten ihr Leben. Allein im Kessel von Stalingrad starben 150.000 deutsche Soldaten. Getötet durch Waffen, Hunger und Kälte. 108.000 kamen in Gefangenschaft von denen nur 6000 Soldaten heimkehrten.
Stalingrad ist zum Synonym von Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges geworden.

80 Jahre nach den Ereignissen tobt ein neuer Krieg. Eines der Zentren Luhansk ist gerade mal 460 km von Wolgograd entfernt. Eine Strecke so  weit wie von Berchtesgaden nach Hof an der Saale. Jahrzehntelang haben sich Deutsche und Russen für Versöhnung eingesetzt. Jahrzehntelang hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gemeinsam mit russischen Freunden die Gräber gepflegt. Gemeinsam wurde die Identität bis heute gefundener Gebeine in der Region festgestellt und wurden Nachfahren informiert. Im Frühjahr 2019 sticht ein Mann namens Victor Komarow einen Spaten bis zum Holm in nasses Erdreich und wirft die Erde hinter sich an den Rand einer Grube. „Massengrab in Stalingrad gefunden“, lautete die Überschrift einer Pressemitteilung. Mit dabei die Überreste von Gerhard Küpper, den seit 76 Jahren vermissten Vater von Irmgard Herzog.

Sag wo die Soldaten sind,
über Gräbern weht der Wind.
Wann wird man je verstehn?

Das Lied von Peter Segers in seiner deutschen Version von Hildegard Knef hat ukrainische Wurzeln. Es geht auf eine Textzeile eine Don-Kosaken-Liedes zurück. Seit dem 24. Februar diesen Jahres ist es traurige Gewissheit. Wir haben nicht verstanden und wir werden wohl auch nicht verstehen. Und wie sich dabei die Zeichen beängstigend gleichen. Hitler schickte seinen Propagandaminister vor um im Februar 1943 die deutsche Bevölkerung über die Kapitulation der 6. Armee zu informieren. Ruhmhaft, tapfer, Ehre, Bolschewiken, Kommunisten waren die Worte die über die Sender liefen. Doch die Deutschen hatten in der Heimat gelernt diesen Orwellschen Neusprech zu interpretieren. Ab da ging es rückwärts.

Die Propaganda und Orwells 1984 sind zurück. Sonderoperation das neue Wort für Angriffskrieg. Planmäßigkeit für einen gescheiterten Blitzkrieg. In zerstörten Kinderkrankenhäusern waren angeblich Nazi-Milizen festgesetzt. In der Sprache nennt man die Beschönigung Euphemismus. Ein mächtiges Instrument: Er wertet auf, wenn wir von Hausangestellten statt von Dienern sprechen oder von Seniorenresidenzen statt von Altersheimen. Er schont, wenn wir Kritik als Lob verpacken. Und er verhüllt, wenn Massenentlassungen zur „Umstrukturierung“ werden oder die Depression zum Burnout.

Der Krieg in der Ukraine ist zwar über 2500 km von unserem Ort hier in Arth entfernt, aber seine Auswirkungen spüren wir hier direkt vor unserer Haustür. Die Partnerschaftsbeziehungen zwischen dem Landkreis Landshut und dem Rajon Nowosibirsk liegen auf Eis. Eine rot-grüne Bundesregierung wirbt für die Lieferung von Panzern und schweren Waffen an die Ukraine. Das im April diesen Jahres im Further Maristengymnasium geplante öffentliche Gelöbnis wird wegen der Mobilisierung der bayerischen Sanitätskräfte aus Feldkirchen abgesagt.

Doch auch die Zivilbevölkerung spürt die Auswirkungen des Krieges. Versorgungsengpässe, Gaspreisexplosion und ganz besonders – eine nie gekannte Unsicherheit. 76 Jahre Frieden und doch war alle Versöhnungsarbeit dafür umsonst?  Nein. Ohne die ständige Mahnung zum Frieden. Ohne die ständige Bemühung um den Menschen der mir eigentlich fremd ist und dem mein Großvater feindselig gegenüber stand, wären diese 76 Jahre Frieden in Europa nicht möglich gewesen. Es ist und bleibt die Verantwortung jedes Einzelnen von uns für diesen Frieden einzustehen. Wir müssen unsere Stimme erheben, wenn Euphemismen die Deutungshoheit übernehmen. Wir sollen und müssen Nein sagen, wenn Ungerechtigkeit und Hass gesät wird. Diese Verantwortung haben wir vor uns und unseren Kindern. Damit nie wieder eine Mutter mehr ihren Sohn beweinen muss.

Krieg & Frieden

Einundzwanzig Monate befinden wir uns nun mehr oder weniger in der Pandemie. Mit all ihren Auswirkungen auf Leben, Gesundheit, Vertrauen, Miteinander, Verständnis und Toleranz. Hier entsteht der Versuch eine Antwort auf die  damit verbundene eigene Frage zu bekommen. Die Frage die mich am meisten inzwischen als dreifach Geimpfter und damit für einige Menschen als „Einer-von-denen“  beschäftigt: Wie soll ich selbst mit den Menschen umgehen die anders denken und handeln?

Es geht in dieser Frage weniger um mich persönlich, sondern um meine Verantwortung die ich in meinem Amt trage und die daraus resultierende Macht welche mir durch das Amt verliehen wird. Es ist unbestritten, dass ich diese Macht ausschließlich zum Guten für die Bürgerinnen und Bürger einsetzen möchte. Doch schon hier wartetet die erste Herausforderung. Was wollen die Menschen? Was ist dieses „Gute“? Natürlich führe ich Gespräche, bekomme erbetene und unerbetene Rückmeldungen und kenne die Aufgaben die uns als Kommune obliegen. Doch sind wir mal ehrlich. Wen freut es wenn die Kläranlage saniert ist oder wenn durch die Blitzer ein Packerlfahrer mit zu hoher Geschwindigkeit erwischt wurde? Oder für wen ist es wichtig, dass die  Ortsteilwehr eine neue Löscheinrichtung bekommen hat? Es interessiert diejenigen die damit unmittelbar zu tun haben. Den Anwohner an der Raserstelle, den Feuerwehrmann und das Wasserwirtschaftsamt. In der allgemeinen  Öffentlichkeit wirken jedoch vor allem die Dinge die wir zu den sogenannten freiwilligen Aufgaben zählen. Der Breitbandausbau, die Baugebietsentwicklung, das Fest das im Sommer gefeiert wird, oder eben im Winter aufgrund der Infektionslage abgesagt werden muss.

Zu diesen Fragen drängt sich mit wachsender Lautstärke die Frage der Pandemieentwicklung auf. Die Lage hat sich organisiert. Das ist auf der einen Seite gut, denn es hilft sich zu orientieren. Was ist richtig und was ist falsch?
Doch wollen wir im Zweifel zu denen gehören die falsch liegen? Nein, sicherlich nicht. Wir wollen bei den guten sein! Denen die die Dinge richtig machen. Eine gewisse Zeit lässt sich der Spannungsbogen zwischen eigenem Glauben und Selbstverständnis und äußeren dem entgegen laufenden Anforderungen aushalten. Doch irgendwann wird es unerklärbar und ich muss mich entscheiden. Bleibe ich meiner Auffassung treu, auch wenn sie von einer Mehrheit nicht geteilt wird? Oder lasse ich mich überzeugen? Aber wenn ja, wovon? Es ist vollkommen nachvollziehbar, dass man einen inneren Widerstand aufbaut. Der sich Anfangs in der Suche nach „doch recht haben“ und später in Betonung des Trennenden artikuliert. Wie in einer leidenden Ehe entsteht ein Spalt wenn die Kommunikation und das gegenseitige Verständnis – oder zumindest die Bereitschaft dazu – fehlt. Später entsteht ein unüberwindbarer Graben und dann einen Schlucht ohne Chance auf ein zurück. Es geht um „die da“. Es geht um „Verantwortung und Schuld“. Es geht um eine Schwäche derer und eine notwendige Stärke „von uns“. Allein das „Wording“ unserer Zeit zeigt die Spaltung die von beiden Seiten betrieben wird. Die wichtigste Voraussetzung für die Bereitschaft zum Krieg ist die Zurechnung zu einer Gruppe, die sich durch ihre Definition von DER ANDEREN GRUPPE abgrenzt.

Wie schon angedeutet kann ich mit dieser Spannung einigermaßen gut leben und schaffe es bisher die Menschen die eine andere Meinung haben und sich eben „nicht impfen lassen“ (Gruppenbildung)  zu akzeptieren. Bisher!

Was hat sich verändert?

  1. Ich führe eine Diskussion mit meinen Kindern (10 und 12) um die Frage ob sie sich impfen lassen sollen. Ein Kind macht es und liegt drei Tage krank im Bett. Ich höre den befreundeten Arzt der dagegen ist und nur aufgrund der drohenden Freiheitseinschränkungen seine eigenen Kinder doch mit schlechtem Gewissen impfen lässt. Dem gegenüber sehe ich Menschen in meinem persönlichen Umfeld die sich nicht impfen lassen wollen und damit zumindest gefühlt den Druck auf die Kinder erhöhen, da das staatliche Impfziel nicht erreicht wird. Denn nun werden auch die Rechte der Kinder eingeschränkt und damit der indirekte Impfdruck gegen sie geschaffen. Dabei liegen keine Kinder auf den Intensivstation und spielt Long-CoviD für die jüngsten nur eine verschwindend geringe Rolle. Sagt man …
  2. Ich lasse mich ein drittes Mal impfen und komme mit dem Arzt ins Gespräch. Sein gesamtes Praxisteam ist am Rande der Kräfte. Und zwar nicht nur wegen der bald unmenschlichen Belastung aus sich ständig ändernden Vorgaben, Aufgaben und der einfach durchschlagende Infektionslage. All das sind Dinge die man im Beruf kennt und die man aushalten kann, wenn man weiß wofür. Doch was tatsächlich belastet ist die Verrohung, die seit der Pandemie mit den Menschen passiert. Es wäre schon ausreichend, wenn einfachste Umgangsformen vorhanden blieben. Es wäre ausreichend wenn etwas Respekt vor den Menschen die sich unsere Gesunderhaltung sorgen bliebe. Es wäre genug, wenn erkannt und anerkannt würde, dass niemand Verantwortung trägt und alle tun was sie können. Doch statt dessen werden Gespräche laut und anklagend. Werden Erwartungen artikuliert. Kennt jeder seine Rechte und Ansprüche und niemand mehr seine Verantwortung und seine Pflicht. Es fehlen Toleranz und Konsensbereitschaft. Oder mit einem sehr alten Wort: es fehlt Demut.
  3. Wenn Verantwortung und Pflicht missachtet wird geht es vor Gericht. Im letzten Winter haben Mitarbeiter beim Winterdienst Äste einer auf den Gehweg hängenden Hecke abgeschnitten. Nun ging es vor Gericht, da die Gemeinde auf Schadensersatz verklagt wurde. Wie immer eine Stellvertreterklage. Das Problem liegt irgendwo anders. Denn der Kläger konnte auf die Frage des Richters was er wolle nur antworten: „Das alles wieder in Ordnung kommt!“ Auf die Nachfrage was er damit meine war die Antwort: „Na das alles eben wieder in Ordnung kommt!“ Selbst der Anwalt der gegnerischen Partei entschuldigte sich nach der Verhandlung leise, dass er diesen Fall verhandeln müsse. Er könne nicht anders.
    Wir kennen unsere Rechte und unsere Ansprüche. Doch verlieren wir immer weiter die daraus resultierenden Pflichten, die in einem Gemeinwohl automatisch damit verbunden sind. Niemand kennt mehr die Frage: Was kann ich für mein Land tun? Sondern nur noch die Frage: Was steht mir zu?

Kommen wir wieder zur Ausgangsfrage: Krieg oder Frieden? Was will ich? Ich hätte die Macht des Ordnungswidrigkeitsrecht. Eine Macht die der Bürgermeister meist schont. Denn das tut da weh wo es am meisten weh tut. Im Portemonnaie! Und schließlich will er ja wiedergewählt werden. Ich bin doch im Recht! Sollen die mal sehen wie es auch gehen kann! Jetzt zeige ich denen mal was sie alles falsch machen und das wir von der öffentlichen Hand auch andere Saiten aufziehen können!

Nein. Eben nicht.

Haß erregt Hader; aber Liebe deckt zu alle Übertretungen. (Sprüche 10:12)
Ich habe erst das Feedback meines Freundes Thomas gebraucht um zu erkennen, dass alles Recht haben nichts wert ist, wenn ich mein Ziel damit nicht erreiche. Und was ist mein Ziel?

Es soll Frieden sein …

Wie kann Frieden gelingen wenn ich doch den Krieg suche? Wenn ich – weil ich Recht habe – den Menschen (zumindest finanzielles) „Leid“ zufügen will? Wenn ich es doch darf? Vielleicht sogar soll? Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel; sondern, so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar. (Matthäus 5:39)
Christ zu sein heißt vergeben zu können – heißt Vorbild zu sein – heißt zu Lieben da wo innerlich der Hass aus dir schreit. Heißt barmherzig zu sein. Mit dem Nächsten wie

… mit mir selbst.

Und wie setze ich diese simple und doch so komplizierte Erkenntnis im echten Leben da draußen um?
Es ist das nette Wort zu denen die in dieser schwierigen Situation Verantwortung tragen, die gemeinsam mit mir an einem Strang ziehen. Es ist die Anerkennung des Andersdenkenden auf das dieser erkennt, dass sein Anderssein die Grenze in meinem Anderssein hat.  Es ist meine Haltung – nein zu sagen. Nein, gegen Gewalt. Nein, zu Hass. Wir müssen uns dabei nicht gemein machen. Aber wir müssen anerkennen das die Freiheit seine Freiheit ist. Meine Freiheit bleibt immer solang meine Freiheit bis ich damit die Freiheit des Anderen einschränke. Auch wenn ich ihn am liebsten brennen sehen möchte. Diese Freiheit kann durch Gesetze begrenzt und eingeschränkt werden. Doch bleibt auch die daraus resultierende faktische Minderheit in ihren unverstößlichen Menschenrechten als Minderheit geschützt.
Wenn wir eine Demokratie bleiben wollen braucht es die Anerkennung des Andersdenkenden. Hier kann die christliche Haltung der Barmherzigkeit gerade jetzt im Advent eine helfende Hand sein. Damit nicht nur Frieden in unseren Herzen entstehen kann. Sondern auch Frieden zwischen den Menschen. Konzentrieren wir uns also nicht auf das Trennende, sondern auf das was uns verbindet. Und geben den Menschen die sich für das Gemeinwohl die Anerkennung die sie verdienen.

Bundesverband der Deutschen Spirituosenindustrie

Es kommt ziemlich regelmäßig vor, dass ich von einem Mitbruder der Maristen auf das Spannungsfeld zwischen Kinder- und Jugendbildung und der Herstellung hochwertiger Destillate angesprochen werde. So richtig wohl fühlt man sich auch im 165. Jahr der Herstellung von Arquebuse und Hermite noch nicht. Dabei haben diese beiden Destillate einen wesentlichen Beitrag zur Bildung in Deutschland, Europa und der ganzen Welt beigetragen. Denn sowohl aus dem Bier als auch aus den Destillaten finanzieren die Maristen die Bildungs- und Erziehungsarbeit.

In den letzten Tagen hatte ich seit über einem Jahr endlich mal wieder die Gelegenheit mit den anderen Geschäftsführern der Süddeutschen Branche zusammen zu kommen. Wie immer war es ein wunderbarer inspirierender Austausch mit Kennern und ausgewiesenen Fachleuten dieses Handwerks. Die Führung durch die Destillationen Lantenhammer uns Slyrs waren mir eine große Freude. Anders als in anderen Branchen steht nicht die Konkurrenz, sondern die äußeren Rahmenbedingungen beim gemeinsamen Treffen im Vordergrund. Die Hersteller der Spirituosen sind sich ihrer Verantwortung gegenüber den Konsumenten mehr als bewusst. Viele spezielle Regelungen werden schon initiiert und umgesetzt, wenn Sie auf der politischen Ebene erst angedacht werden. Insbesondere die Selbstverpflichtung in Bezug auf Nachhaltigkeit, Nährwerte und besonders im verantwortungsvollen Konsum sind beispiellos. Ich bin dankbar immer wieder in diesen erlesenen Kreis eingeladen zu werden.

Spontanität

Ich gehöre zu den Menschen die am liebsten alles im Voraus wüssten, auch wenn mir dadurch bewusst ist, dass mir damit der spannendsten Teil des Lebens abhanden käme. Bei dieser Überlegung fällt mir immer einer meiner Lieblingswitze ein, bei dem sich ein Musiker, ein Beamter und ein Controller darüber unterhalten was die bessere Frau in einer Partnerschaft darstellt: die Ehefrau oder die Geliebte.  Wer das Ergebnis wissen will – google hilft.

Am vergangenen Donnerstag brachte ich meine Tochter ins Bett. Da wir noch Zeit hatten erzählten wir uns gegenseitig in welchen Ländern jeder schon war. Wir hatten ein neues Spiel erfunden, dass wir: „Ich bin etwo.“ nannten. Es leitet sich von dem Spiel: „ich bin etwas“ ab, bei dem der andere erfragen und erraten muss was der andere gerade ist.
Sie war ein wenig enttäuscht, dass sie nur auf fünf Länder kam. Das ich als Kind in Ihrem Alter nur in zwei Ländern (Tschechien und Ungarn) gewesen bin, ließ sie nicht gelten. Jetzt mit über vierzig ist die Liste natürlich etwas größer geworden und so blieben wir bei der Frage hängen wo denn Liechtenstein liegt. Sie dachte dem Namen nach würde das Land zum Baltikum gehören.

In der Nacht danach träumte ich, dass ich mit ihr einen Ausflug ins Allgäu machen würde und wir kurzerhand uns entschließen würden nach Liechtenstein zu fahren. Einfach um zu schauen ob es wirklich auch da ist, wo wir es vermuteten. Am nächsten Morgen berichtete ich ihr per WhatsApp, dass sich unser Gespräch in meinen Traum geschlichen hatte und wir dieses Liechtenstein besuchten. Ihre Antwort gegen 13.00 Uhr Mittag – ich trainierte gerade im Fitnessstudio – war: ich auuuuuuch! Ich beschloss etwas zu versuchen, was ich noch nie in meinem Leben gemacht habe. Einen echten Traum echt Wirklichkeit werden lassen.

Eigentlich war das Wochenende ausgeplant. Freitagnachmittag würde ich nach dem Training und dem Essen wieder ins Büro gehen und den vollen Schreibtisch abarbeiten. Abends kommt eine Freundin des Hauses zu Besuch und am nächsten Morgen wäre Gemeinderatsausflug nach Regensburg angesetzt. Gegen 16.00 Uhr kämen dann die Folgetermine des Abends. Erst eine Führung im Klostergarten für die Stadt Vilsbiburg, dann der Abschiedsgottesdienst für unseren Pfarrer in Schatzhofen und dann noch der irisch-bayerische Abend am Kloster mit Livemusik.

Der Samstagvormittag war bereits mangels Teilnahme gecancelt worden. Und der volle Schreibtisch ist auch am Sonntag oder Montag noch da. Der rennt nicht weg. Damit ergab sich ein Zeitfenster von Freitag um 16.00 Uhr bis Samstag um 16.00 Uhr. Das IPhone sagt, dass ich beim derzeitigen Verkehr über Österreich ca. 4 Stunden bis Liechtenstein brauche. In Triesenberg (FL) haben die Maristen ein Haus und in Triesen (FL) ist mein alter Bundeswehrkamerad Sebastian Kaplan und hat eine schöne Wohnung. Triesenberg war leider belegt, aber Sebastian sagte innerhalb von 20 min zu und hat von 20.00 Uhr bis zum nächsten Morgen 9.00 Uhr Zeit für uns.

„Bist du spontan?“ fragte ich meine Tochter. Sie bejahte. „Hast du heute oder morgen Vormittag was Festes vor?“ Sie darauf: „Nö, eigentlich nicht.“ Ich wieder: „Wollen wir jetzt den Traum wahr machen und nach Liechtenstein fahren?“ Sie tappste von einem Bein auf das Andere. Natürlich ist das toll und spontan und spannend. Aber eben auch aufregend und unbekannt. Man kann sich nicht vorbereiten. Was sprechen die dort für eine Sprache? Wo übernachten wir und was machen wir dort? Kurz gesagt war sie mit einem Schlag von 0 auf 100 – aufgeregt. Es brauchte noch einen kleinen Stups und wir saßen im – zum Glück vollgetankten – Auto in Richtung München. Papa-Tochter-Ausflug. Nicht nachhaltig, aber gut für die Seele.

Auf dem Weg machten wir einen kurzen Stopp bei McDonalds wo wir sonst auch immer nur auf Urlaubsreisen halt machen. Für das Feeling! So gegen 19.30 Uhr fuhren wir mit der tief stehenden Sonne auf der rechten Seite bei Lindau nach Österreich und um 20.30 Uhr machten wir ein Foto am Grenzübergang Schaanwald – Liechtenstein.

Sebastian erwartete uns schon. Nachdem wir unsere Schlafsachen hochgeräumt hatten ging es an den Rhein auf eine Kies-Sandbank. Wir ließen flache Steine über die Flussgrenze in die Schweiz hüpfen und freuten uns über den lauen Sommerabend am Fluss bei herrlichem Bergpanorama mit angeknabberten Bergkämmen, schlafenden Dinos und den Gorillaz aus dem Lied „Clint Eastwood“. Phantasie bis es dunkel wurde und die blaue Stunde auf ihre Runde ging. Für meine Tochter sehr unüblich hielt sie bei Apfelmost vom Möhl und politisierenden Gesprächen über die Vergangenheit, Gott und die Welt sehr lange auf dem schönen großen Balkon durch. Um 0.00 Uhr beendeten dann auch Sebastian und ich mit einem gemeinsamen Gebet den Abend und gingen zur guten Nacht.

Am nächsten Morgen stand der Fürstensteig auf dem Programm. Wir verabschiedeten uns und meine Tochter sagte gleich nach dem losfahren: „Der Sebastian ist sehr nett!“ Von Triesen ging es 1000 Höhenmeter mit dem Auto bis nach Gaflei. Vorbei an Triesenberg und dem Gleitschirmstartplatz, an dem ich  vor vier Jahren noch gestartet bin, bis zum Wandererparkplatz unterhalb des Fürstensteigs. Meine Wade machte mir ordentlich zu schaffen und irgendwie fehlte auch der Sauerstoff, so das ich wie eine Dampflok den Berg hochschnaufte während das junge Fräulein allerhand Interessantes am Wegrand entdeckte. Nach 30 min waren wir am Felseinstieg des Steiges und genossen kurz danach auf 1670 m (200 Höhenmeter ging es rauf) den Ausblick auf das Rheintal. Wir wären gern noch weiter, aber die Folgetermine warteten nicht. Wir nahmen uns nochmal fest in den Arm und stiegen nach einigen Fotos wieder ab.

Obligatorisch nahmen wir zwei Flaschen Rivella an der Tanke mit und konnten um 12.00 Uhr in Feldkirch (A) wieder beim Mäcki Mittagessen. Als ich am Abend zu Hause saß und über die vergangenen dreißig Stunden nachdachte kam es mir vor, als wären es drei Tage gewesen. Ich staune über mich selbst und darüber wie unkompliziert Spontanität im richtigen Moment sein kann.

Die Werke des Herrn sind groß zum Staunen für alle! (Psalm 111, 2)

Dieser Spruch steht am Eingang des Fürstensteigs nach ein paar Metern auf einer Tafel am Fels.

„Das Kloster wird Ihre Herausforderung, kann aber auch Ihr Meisterstück werden“ (Dieter Gewies)

Mit diesem Satz übergab im Jahr 2014 Dieter Gewies mir das Amt des Ersten Bürgermeisters. Inzwischen kenne ich die Breite und Tiefe der Bedeutung dieser Worte. Am 23.10.2020 war es endlich soweit. Ich durfte gemeinsam mit Vorstand Tanja Weinberger die Schaubrauerei und das Klosterbräustüberl eröffnen.
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Abundance of Impressions – Du bist so wunderbar…

Seit 1994, als ich den Film Philadelphia das erste Mal sah, erinnere ich mich an einen Dialog. Genauer an ein Zitat der Hauptfigur Andrew Beckett aus dem sog. Airlineurteil von 1973. Er sagt:

„… weil die Vorurteile im Umfeld von Aids einen gesellschaftlichen Tod bewirken können, … der dem physischen Tod vorausgeht.“

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Der Bürgermeister – ein Wunschbild im Spannungsbogen

Bgm. Andreas Horsche vor der neuen Schaubrauerei

Die Kollegen der VG Velden haben auf ihrem Infoblatt eine treffende Übersicht zu den widersprechenden Erwartungen an Bürgermeister*innen veröffentlicht. Auch Dr. Uwe Brandl hat anlässlich der 100 Jahrfeier des Bayerischen Gemeindetags in Worte gefasst was den Bürgermeister/die Bürgermeisterin für die Gemeinde und die Menschen ausmacht. Ich wage zu behaupten, dass nur selten ein solches Spannungsverhältnis zwischen Ansprüchen verschiedener Interessenslagen besteht als bei diesem schönen Amt. Daher möchte ich meine Variante (auch als Rückblick für mich selbst auf die ersten schönen sechs Jahre Bürgermeister) hinzugeben.

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