„Das Kloster wird Ihre Herausforderung, kann aber auch Ihr Meisterstück werden“ (Dieter Gewies)

Mit diesem Satz übergab im Jahr 2014 Dieter Gewies mir das Amt des Ersten Bürgermeisters. Inzwischen kenne ich die Breite und Tiefe der Bedeutung dieser Worte. Am 23.10.2020 war es endlich soweit. Ich durfte gemeinsam mit Vorstand Tanja Weinberger die Schaubrauerei und das Klosterbräustüberl eröffnen. Damit gibt es den ersten wirklichen Anlaufpunkt für die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde, welcher auch konkret für die breite Öffentlichkeit frei nutzbar ist. Sehnsüchtig haben nicht nur wir als Bauherr und Bauherrin auf die Fertigstellung gewartet. Auch die Bürgerschaft kam trotz vielfältiger Einschränkungen zu Hauf und lobte Gebäude, Idee und Wirt. Aber auch das Feuerwerk war ein Riesenerfolg. Ich spüre klar wie sehr sich die Menschen nach etwas Schönem sehnen. Und es macht mich stolz wieviel Lob es für das Ensemble und das Konzept gibt. Doch wie heißt es so schön. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Und lostratet in der nächsten Woche mit dem Kinderhaus ein nochmal wesentlich größerer, wenn auch nicht ganz so technisch komplexer Bau. Wir sind gut gewappnet und freuen uns (wie immer) auf die neuen Herausforderungen, die diese Bauphase mitbringen wird.

Bild: Bräu Johannes Rauchenecker, Architekt Matthias Gewies, Bgm. Andreas Horsche, Landrat Peter Dreier, Vorstand Tanja Weinberger stoßen mit dem ersten Bier auf Bau und Fertigstellung an

Abundance of Impressions – Du bist so wunderbar…

Seit 1994, als ich den Film Philadelphia das erste Mal sah, erinnere ich mich an einen Dialog. Genauer an ein Zitat der Hauptfigur Andrew Beckett aus dem sog. Airlineurteil von 1973. Er sagt:

„… weil die Vorurteile im Umfeld von Aids einen gesellschaftlichen Tod bewirken können, … der dem physischen Tod vorausgeht.“

In den nun zwei Jahren in denen ich zum Ersten lernte, dass ein Großteil der wandernden Schmerzen in meinem Körper der Borreliose entspringen, mit der ich nun leben muss, lernte ich auch, dass der Körper und die Seele tatsächlich eins sind. Geht es mir körperlich schlecht, fehlt die Lust etwas zu unternehmen, der Antrieb Aufgaben anzugehen und manchmal gar die Hoffnung, dass es wieder besser werden wird. Geht es mir seelisch schlecht meine ich es kompensieren, überspielen zu können. Stark zu sein! Doch hier liegt die Gefahr. Wenn die Seele schmerzt, wenn es brennt im Kopf oder im Herzen, ist es eine Frage der Zeit, dass der Körper mit reagiert. Das unsere Schwachstelle, der Bauch, die Muskeln, der Nacken oder sonst wo sich rührt und sagt: „Hi, hier bin ich! Ich schalt dich aus, ob du willst oder nicht.“ Wir lehren unseren Kindern die Bedingungen der Leistungsgesellschaft. Halten uns für gute Vorbilder beim Arbeiten mit Kopf unter dem Arm. Beim Antworten: „Alles gut!“

Ist wirklich alles gut? „Das vergeht schon wieder! Schlaf mal drüber!“ Stimmt, oft tut es das. Aber die Last bleibt, da hinten. Versteckt hinter dem Hypothalamus. Die kleine Angst. Angst zu versagen. Angst nicht zu gefallen. Angst nicht dazuzugehören. Angst nur Zweiter zu werden. Selbstbild-Fremdbildabgleich. Sehe ich mich selbst so wie die Anderen mich sehen? Bin ich zu hart mit mir? Oder strenge ich mich nicht genug an? Oder bin ich vielleicht so arrogant, dass ich mein eigenes Unvermögen als Leistung als Können einschätze?

Das Gleichgewicht der Seele ist entscheidend für das Gleichgewicht des Körpers. „Mens sana in corpore sano!“ (Juvenal) – In einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist! Das stimmt! Und schon die Kinder lernen es. Doch der Umkehrschluss ist unbekannt – verdrängt. Es braucht einen gesunden Geist, damit der Körper gesunden kann. Es ist wie bei Menschen die imm Begriff sind zu sterben. Viele haben es schon erlebt und können aus der eigenen Erfahrung davon berichten, dass ein naher Angehöriger im Sterben liegt und man auf den Tod wartet. Gemeinsam. Aber der Tod kommt nicht, oder scheint nicht kommen zu wollen.
Im Jahr 2000 gab mir meine Nachbarin Karin Quandt in Berlin in der Königin-Elisabeth-Straße ein Buch von Elisabeth Kübler-Ross welches sich mit den Phasen des Sterbens auseinandersetzt. Seit dem ist mir bewusst, dass der Mensch manchmal die Möglichkeit hat den allerletzten Schritt selbst zu bestimmen. Im Grunde eine einzigartige sehr schöne Vorstellung. Selbst bestimmen zu dürfen wann ich loslasse. Es ist die Bitte etwas zu holen, was der Wartende am Bett erfüllt, damit der Sterbende sterben kann. Vielleicht um das Leid zu ersparen. Vielleicht um den letzten Schritt allein gehen zu dürfen, um Würde zu behalten. Es ist das Gespräch, das Bekenntnis, dass so lang ausblieb und nun endlich ausgesprochen werden konnte. Der Wille, der Geist, die Seele ist der wesentliche Bestandteil des Menschseins. Wenn er in der Lage ist den letzten Schritt in Raum und Zeit zu bestimmen, warum geben wir darauf nicht mehr acht?

Andrew Beckett bezieht seine Aussage auf die Tatsache, dass die Diskriminierung als AIDS-Kranker ihn gesellschaftlich isoliert und ihm, bevor er stirbt, zuerst gesellschaftlich das Leben nimmt. Hier ist es als Sozialkritik zu verstehen die diese Erkrankung per Urteil als Behinderung definiert und damit unter Kündigungsschutz stellt. Über die Zeit seit 1994 nehme ich es für mich immer mehr im Kontext des Lebens als Leben wahr. Das bedeutet, dass es uns nicht als Mensch auszeichnet, das wir die Grundbedürfnisse befriedigen, atmen, essen und schlafen. Es zeichnet den Menschen als Mensch aus, dass er Gefühle hat. Gefühle gegenüber Mitmenschen, Situationen, Orten und gegenüber der gesamten Schöpfung. Leben bedeutet ein Risiko einzugehen, denn wir wissen unsere Zeit ist endlich und wir bewegen uns mit jeder Sekunde die wir verbringen ein Stück mehr auf den Tod zu. Die letzte Phase des Lebens wurde früher allgemein als das Siechtum beschrieben. Kübler-Ross detailliert hier und beschreibt in den fünf Phasen des Sterbens sehr gut was in uns vorgeht.

Zitat – Depression n. Elisabeth Kübler-Ross
Hat der Betroffene realisiert, dass er sterben wird, kann dies mit Depressionen, Ängsten und Trauer einhergehen. Er betrauert die Verluste, die er durch die Erkrankung erleiden muss: Verlust körperlicher Integrität, Verlust persönlicher und beruflicher Chancen, Verlust von nicht Nachholbarem und Wünschen, die er sich in gesunden Tagen nicht erfüllt hat. In dieser Phase ist es sehr wichtig zuzuhören und dem Betroffenen dadurch Entlastung zu bieten.

In der vierten Phase geht es um den Verlust. Nicht den Verlust des Lebens an sich, sondern den Verlust dessen was nicht mehr sein wird, oder gar nicht erst war. Ohne dieses Erkennen ist es schwer akzeptieren zu können, dass es nun so ist wie es ist und das der Tod vor der Tür steht. Bei aller Tragödie hat diese Phase für mich einen beruhigenden tiefen Sinn. Es zeigt, was im Leben wichtig ist. Denn nur das was ich wirklich besitze kann ich wirklich verlieren. Epiktet (Über die Moral) empfiehlt, sich darüber klar zu werden, was ich selbst bestimmen kann und was nicht. Wir meinen über unsere Gesundheit selbst bestimmen zu können. Fataler Fehler! Wir können darüber bestimmen Sie nicht erneut durch Zellgifte zu schädigen. Oder wir können durch gutes Essen und Bewegung dazu beitragen, dass wir eine Chance auf etwas mehr Wohlergehen haben. Aber bestimmen können wir nicht. Wie viele Kerngesunde erkranken schwer. Wieviele junge Menschen wurden schon durch Krebs von uns genommen. Und wie viele rauchen und trinken ein Leben lang und werden doch über 80 Jahre alt.

Aus diesen beiden Polen : „Leben bedeutet das Gegenteil von Verlust!“ und „Ich habe keine Macht über Krankheit und Tod zu entscheiden!“ entsteht für mich eine klare Erkenntnis über das Leben. „Leben bedeutet wesentlich mehr als nur körperlich gesund zu sein. Zudem habe ich keinen Anspruch auf Gesundheit und kann sie nur sehr beschränkt beeinflussen!“

Was ich aber beeinflussen kann ist dieses Gegenteil von Verlust. Nennen wir es Erfüllung. Ich kann mich mit anderen Menschen treffen. Ich kann tanzen. Musik hören. Gestalten. Lieben. Reisen. Erlebnisse teilen und Geschichten erzählen. Denn am Ende des Lebens geht es nicht um die Frage ob ich die Seychellen je gesehen habe. Es geht darum ob ich sie mit dir erleben konnte. Ob ich mit euch getanzt habe. Ob wir musiziert haben und ob das Publikum applaudiert hat. Nicht weil wir das so gut gemacht haben, nein weil wir Freude bereitet haben. Weil wir Liebe gegeben haben. Weil wir Mensch waren und als ganzer Mensch mit unserem Wesen und unserem Sein in Erinnerung bleiben.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sagt im April 2020 im Tagesspiegel: „Wenn es überhaupt einen absoluten Wert in unserem Grundgesetz gibt, dann ist das die Würde des Menschen. Die ist unantastbar. Aber sie schließt nicht aus, dass wir sterben müssen.“ Er ist für den Satz kritisiert worden, da er das höchste Grundrecht der Menschenwürde relativiert und die Debatte (wieder) eröffnet ob das Leben des Einen mit dem Leben des Anderen abgewogen werden darf. Dieser These wurde mehrfach, auch vom von mir hochgeschätzen Hans-Jürgen Papier beantwortet. Leben ist gegen Leben im staatlichen Handeln nicht abwägbar. Punkt.
Doch geht es bei den aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der zweiten Welle überhaupt um den Schutz des Lebens? Wäge ich gerade ein Leben gegen ein anderes ab?
Der letzte Satz der Schäuble’schen Aussage bleibt in meinem Kopf. Er sagt im weiter gedacht, dass es kein Recht, keinen Anspruch auf Gesundheit gibt. Es kann auch kein Recht auf Gesundheit geben, da wir weder das Wissen noch die Möglichkeiten haben sicherzustellen, dass alle Menschen immer gesund sind. Wenn es aber weder einen tatsächlichen noch einen rechtlichen Anspruch auf Gesundheit gibt. Warum ordnen wir der Gesunderhaltung derzeit alles unter? Warum suggeriert der Staat dem Bürger, dass durch die Untersagung von Kulturveranstaltungen, durch das Schließen von Gaststätten und Restaurants mit besten Hygienekonzepten und nachweislich geringen Ansteckungsraten damit Krankheit vermieden und Gesundheit erhalten werden kann?

Warum sind heute am Sonntag Allerheiligen – ein Tag vor dem Lockdownlight – alle Lokale in unserer Region restlos ausgebucht? Warum sind selbst kleinste Konzerte und Kulturveranstaltungen an diesem Wochenende ausverkauft und gibt es nicht ein freies Fitnessgerät im Studio, bevor es morgen am Aschermittwoch Nr.2 des Jahres 2020 alles vorbei ist?
Weil Leben mehr bedeutet als Überleben! Weil die Seele nochmal einen tiefen Zug nehmen will, bevor sie morgen zum ein- oder zwei- oder dreimonatigen Tauchgang ansetzt. Denn Niemand vertraut den Aussagen, dass es um den Dezember geht – um Weihnachten. Jeder kennt die Regierung und erlebt durch Aussagen wie: „Kommunen lasst Heizpilze zu, damit die Gastronomie nicht schließen muss!“ Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.

Ja, ich bin bei den FREIEN WÄHLERN. Ja, diese regieren im Land Bayern mit. Ja, die Heizpilzaufforderung kam von unserem Wirtschaftsminister. Und ja, ich verstehe jeden der mit dem Lockdownlight nicht nur das Vertrauen in die bayerische Staatsregierung und die FREIEN WÄHLER verliert. Ich verstehe auch jeden der sich durch diese Entscheidungen vom Prinzip der Parteiendemokratie hinters Licht geführt fühlt. Der im Herbst nächsten Jahres sein Kreuz weiter rechts oder weiter links machen wird, wenn er oder sie überhaupt zum Wählen geht.

Ich kann die Fragen nicht beantworten, die mir nach dem Sinn einzelner Regeln täglich gestellt werden. Mir fehlt die Antwort die es auf diese Frage in der Regel braucht: „Das haben die Menschen, die wir gewählt haben so entschieden! Das ist das Prinzip der Demokratie, dass die Mehrheit entscheidet. Ob es der Minderheit passt oder nicht!“ Ich kann diese Worte nicht sagen, denn weder der Bundestag noch der Landtag hat es entschieden. Es waren 18 Menschen von denen drei vor Ort waren und die anderen 15 per Videochat hinzugeschaltet wurden. Diese haben über 80 Mio. Menschen entschieden und ließen das Ganze am Ende von ihren Parlamenten abnicken. Das wäre wie, wenn ich die Sanierung aller Straßen inkl. Erschließungsbeiträge der Anlieger entscheiden würde, das ins Infoblatt schreibe und dann das Ganze auf die Tagesordnung hebe um es vom Gemeinderat absegnen zu lassen. Was würde da wohl passieren?

Der inzwischen in Ungnade gefallene Sänger Xavier Naidoo sang 2005: „Nicht mit vielen wirst du dir einig sein, doch dieses Leben bietet so viel mehr „. Und ich frage mich erneut, was in meiner Macht liegt um das Leben als Leben zu leben. Jeder von uns kennt mind. eine Antwort auf diese Frage und weiß, dass es eben nicht einfach, wenn nicht sogar unmöglich ist die Vielfalt des Lebens mit wenigen Worten in Gesetzen und Verordnungen auszudrücken. Und so bleibt mir an diesem Tag nur eins. Ich muss akzeptieren. Denn mein Dilemma aus Amt und Mensch lässt keine Alternative zu. Das Einzige was bleibt ist dieser Text. Der Versuch das Unmögliche in Worte zu fassen. Klarheit über das was entschieden wurde zu suchen und doch nicht zu finden. Aber die Möglichkeit auch selbst zu erkennen, dass ich Spielräume habe. Das ich diese nutzen kann. Dass ich mich nochmal vollsaugen kann mit Eindrücken und Orten. Das mich nicht der vorauseilende Gehorsam erfasst. Das ich mich nicht zum Blockwart machen lassen. Für mich waren es die letzten 48 Stunden. Denn was morgen ist weiß ich nicht. Du bleibst so wunderbar.

 

PS: Diese Zeilen entwachsen dem kumulierten Eindruck unserer Berlinreise mit all ihren Herausforderungen und Schönheiten. All ihrem zivilen Ungehorsam und der Erinnerung an einen der schönsten Abende der vergangenen Wochen. Danke FloBêr. Danke Deutsche Bahn. Danke Berlin.

Auf ein Neues

Wenn man mit älteren Kollegen im Bürgermeisteramt ins Gespräch kommt erzählen alle von den gleichen Erfahrungen des Anfangs. Man möchte sich vorstellen welche Herausforderungen mit diesem Amt auf einen zukommen. Aber es ist ein großer Unterschied diese Herausforderung zu erahnen oder in der Realität täglich zu sehen und zu erleben.

Dieser Tage beginnt die kommunalpolitische Amtszeit 2020 bis 2026. In unserem Gemeinderat ziehen acht neue Gemeinderätinnen und Gemeinderäte ein. Das bedeutet dass 50 % des Gemeinderats im Rahmen der Kommunalwahl ausgetauscht wurden.

Ich freue mich auf diese neue Zeit und diese neuen Gemeinderätinnen und Gemeinderäte. Gemeinsam starten wir in eine herausfordernde, aber auch spannende und zuversichtlich stimmende Zukunft. Die Auswirkungen der CoronaKrise sind nur erahnbar. Was es tatsächlich bedeutet können wir erst in circa zwei Jahren konkret sagen. So wie die vergangenen sechs Jahre von einer nie dagewesenen Einnahmestärke geprägt waren, werden die vor uns liegenden sechs Jahre von Vorsicht und allgemeiner Zurückhaltung dominiert sein. Doch es war und ist und bleibt unsere Aufgabe gemeinsam die Daseinsvorsorge für unsere Bürgerinnen und Bürger zu sichern. Hierzu gehören ganz klar auch Aufgaben die zu den so genannten freiwilligen kommunalen Aufgaben zählen. Schon in der schwierigen Phase der Finanzkrise hat sich gezeigt, dass es gerade diese freiwilligen Aufgaben sind die eine Gemeinde lebenswert machen. Darum werde ich auch in den kommenden schwierigeren sechs Jahren die Aufgaben rund um unser Kloster Furth als wichtige wenn auch freiwillige Aufgaben wahrnehmen. Es ist eine besondere Herausforderung den Spagat zwischen den Pflichtaufgaben und den freiwilligen Aufgaben hinzubekommen. Hieran werde und muss ich mich in sechs Jahren erneut messen lassen.

Neu wird für mich die Tätigkeit im Kreistag des Landkreises Landshut. Hier versuche ich in erster Linie thematisch und inhaltlich mir selbst treu zu bleiben. Ich stehe der umlagefinanzierten Entscheidungssituation kritisch gegenüber. Als Verfechter des gemeindlichen Selbstverwaltungsrechts ist es m. E. wichtig die Investitionen des Landkreises auf ihre Allgemeingültigkeit und ihre Notwendigkeit zu prüfen. Ich weiß, dass es dadurch nicht leicht wird in einer Koalition eine gemeinsame Linie zu verfolgen. Doch das muss ein Demokrat und die Demokratie aushalten können.

Alle Welt sehnt sich nach Frieden, reicht den Völkern eure Hand


Noch am 19. Januar 1989 sagte der ehem. Staatsratsvorsitzende der DDR Erich Honnecker, dass die Mauer „in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen“ wird. Es ist ein Satz, der in die Geschichte einging, denn 10 Monate später war sie bereits gefallen. Am 07. Oktober 1989 feierte die DDR ihr letztes, ihr 40. Jubiläum. Diese Tage liegen heuer bereits 30 Jahre zurück. Und so begeben wir uns auf den Moment zu, in dem die Zeit der Wiedervereinigung eines geeinten Deutschlands ebenso lang bestanden haben wird, wie die Lebenszeit der DDR. Ich kann mich noch sehr gut an die Zeit vor dem Mauerfall erinnern. Als Kind in der DDR war es für mich unbegreiflich, warum denn diese DDR so schlimm gewesen sein soll. Nun das war die Sichtweise eines Jungen, der eben nichts anderes kannte. Und eben auch die Herausforderung für 17 Mio. Menschen, dass alles was bisher galt und wichtig war, mit dem Fall der Mauer am 09.11.1989 in Frage gestellt wurde. Wie jede/r DDR- BürgerIn hatte ich mich mit der DDR arrangiert. Es war normal, dass ich eben stundenlang vor dem gut positionierten Radio saß und ich meine Lieblingslieder „Julien“ von Mandy Winter und „The sun always shines on TV“ von A-HA endlich auf einer schon 20 mal überspielten Kassette aufnehmen konnte. Es war normal, dass man beim Beginn der Tagesschau den Fernseher etwas leiser drehte, damit die Nachbarn das „Bong“ und die sechs BrassBand-Akkorde des Intros nicht hörten. Denn schließlich war es für mich als Polizistensohn eigentlich unmöglich Westfernsehen zu sehen – und dann auch noch die Tagesschau! Doch auch dieser Polizist fand seine Nischen, indem er Heilig Abend eben getrennt von seiner Familie in den Gottesdienst ging, den er schon seit fast 25 Jahren jedes Jahr mitgestaltete. Obwohl Kontakt zur Kirche oder zum Glauben verboten war.
Irgendwie freute ich mich aber auch auf diese BRD, auf dieses Westdeutschland. Mit Sehnsucht hatte ich bei meinen Großeltern immer wieder auf ein Plakat mit warmen Farben der Insel Borkum geschaut, auf dem hohe Wellen und eine Abendsonne zu sehen war. So wie auf diesem Bild und wie in der Werbung – um Zehn vor Sieben – stellte ich mir diese BRD immer vor. Bunt muss sie sein! Denn warum sonst heißt sie „Bun(t)esrepublik Deutschland“?
Die Hoffnung wurde erfüllt. Mit den dreimal 100 Mark Begrüßungsgeld ging es nach Fulda/Hessen und bekam ich einen Lego-Technikbagger. Nur 19,90 DM sollte er kosten. Der „Herkules“-Markt hatte auf der Etikettiermaschine die erste „1“ ganz schwach eingestellt, so dass die 119,90 DM von uns als 19,90 DM erkannt wurden. Das wurde die erste nicht-sozialistische Erfahrung meines Lebens.
Aus den Herausforderungen der 90er Jahre sind Kompetenzen entstanden. Wir haben gelernt uns in der neuen bunten Welt zurechtzufinden. Jetzt entstanden nicht nur die versprochenen blühenden Landschaften, sondern mit der EU-Osterweiterung sogar ein vereinter Kontinent, ein vereintes Europa. Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall liegt es immer noch an uns aus dieser Zeit zu lernen und das Wissen von damals an unsere Kinder weiterzugeben. Denn an allen Enden wird derzeit die Axt an das geeinte Europa und an das geeinte Deutschland gelegt. Heute entsteht die Spaltung von innen heraus und kristallisiert sich in Begriffen wie: Wirtschaftsflucht, Klimawandel, Messerattentat, Wohlstandsschere und LGBTQ-Migration. Ich wünsche mir, dass die Freude der Nacht des 09.11.1989 auch 30 Jahre danach noch Menschen in Ihren Bann ziehen kann. Ich wünsche mir, dass wir das Bewusstsein für die Leistung einer deutschen friedlichen Revolution schärfen. Für ein tolerantes Miteinander auf einem geeinten Kontinent, in einem geeinten Europa. Dass nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint.

01. Mai 2019 – Noch 365 Tage …

… dann ist nicht nur der 1. Mai 2020, sondern auch der Start der neuen Amtszeit für unsere Gemeinde und die VG Furth. Als ich 2014 das Amt angetreten habe, wusste ich dass große Herausforderung auf mich zukommen können. Es ist nach wie vor – trotz großer Belastungen – eines der schönsten und für mich vielleicht sogar das schönste Amt, welches man anstreben kann.

Ich werde in diesem letzten Jahr und auch über die Zeit darüber hinaus mit vollem Einsatz mich der Aufgabe widmen. Ich hoffe natürlich sehr darauf, meine Arbeit für die Gemeinde fortsetzen zu können. Denn ab 2020 gibt es die ersten großen Früchte von den neuen Bäumen zu ernten und auch den ein oder anderen neuen großen Baum zu setzen.

Neue Wege entstehen dadurch dass man sie geht